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Zamperoni für Holst

von 8. Februar 2012 12:45 Uhr

Ingo Zamperoni wird Susanne Holst ablösen als Vertretung der Tagesthemen-Moderatoren. Für mich ist das Anlass, zunächst Susanne Holst zu danken. Sie gehört zu unseren beliebtesten Moderatorinnen. Und um es gleich zu Anfang klar zu stellen: Sie bleibt uns natürlich erhalten als Moderatorin der Tagesschau bis 17 Uhr. Auch den ARD Ratgeber Gesundheit wird sie weiter moderieren.mehr

Freiflug

von 3. Februar 2012 0:27 Uhr

Politiker sind alle Raffkes, die in ihrem Amt jede nur mögliche Vergünstigung mitnehmen! Zur Verfestigung und Mehrung dieses weit verbreiteten Vorurteils hat der derzeit amtierende Bundespräsident eine ganze Menge beigetragen. Und weil der erste Mann im Staate noch im Amt ist, wenden sich viele Medien nunmehr der Frage zu, welchen Politikern Manfred Schmidt, Wulff-Spezl und Polit-Feierbiest, noch so alles Wohltaten zuteil werden ließ. Dabei stieß der “Stern” auf einen Freiflug von Kurt Beck auf Kosten Schmidts. Ein Skandal? Ein Rücktrittsgrund? Oder schlimmer noch: Eine Erwähnung in der Tagesschau? mehr

Noch mal Wulff: Sind Politiker alle so?

von 2. Februar 2012 15:07 Uhr

Gelegentlich gibt es in den Deutschlandtrend-Ergebnissen Widersprüche, die uns in der Redaktion sehr beschäftigen. Da passen Zahlen auf den ersten Blick einfach nicht zusammen. Lange schon habe ich nach unseren Deutschlandtrend-Sendungen nicht mehr so viele Mails bekommen, wie jetzt zu Bundespräsident Christian Wulff. Und das Meinungsbild ist absolut gespalten. Die einen glauben, unsere Zahlen könnten nicht stimmen, weil bis in den Januar nur etwa die Hälfte der Befragten Wulffs Rücktritt forderte. Die anderen meinten, wir sollten Wulff doch endlich in Ruhe lassen, er habe sich entschuldigt und nun müsse es gut sein.mehr

Yes he can – Obama zeichnet das Bild eines stolzen Amerika

von 25. Januar 2012 3:24 Uhr

Er kann es einfach! Obamas Rede zur Lage der Nation ist erst ein paar Minuten alt, aber schon ist zu spüren, dass er seine Zuhörer fesselt. Es gelte, amerikanische Tugenden zurückzuerobern. Gerechtigkeit nd Chancengleichheit seien keine Wert von Demokraten oder Republikanern – das seien amerikanische Werte. Das dürfte seine Wirkung nicht verfehlen bei vielen Bürgern, die das ewige Hickhack im Kongress nicht mehr sehen können. Die Sehnsucht ist gross, das tief gespaltene Land mit sich zu versöhnen. Obama spielt diese Karte geschickt aus.

Auch den ewigen Vorwürfen der Erzkonservativen, er sei nicht patriotisch genug, tritt Barack Obama geschickt entgegen. Er verneigt sich vor den Soldaten, die im Irak oder in Afghanistan ihr Leben riskierten. Dann betont er den erfolgreichen Abzug aus dem Irak und die Eliminierung von Osama bin Laden.

Und wie unsere Studioleiterin in Washington, Hanni Hüsch, prophezeit hat: Obama legt einen Plan vor, wie er die amerikanische Wirtschaft wieder fit machen will, mehr Jobs schaffen und die Energieversorgung unabhängig von instabilen Weltregionen machen. Amerika first! Das ist Balsam auf die Seele einer gebeutelten Supermacht. Bis jetzt eine kluge und wohlbalancierte Rede.

Obama wird amerikanische Werte beschwören – erste Inhalte seiner Rede sickern durch

von 25. Januar 2012 0:51 Uhr

Unser Studio in Washington schickt uns vorab erste Infos zu Obamas Rede im Kongress. Es zeichnet sich ab, dass der US-Präsident amerikanische Werte beschwören wird: Fairness und Gerechtigkeit. Jeder müsse seinen Teil beitragen, jeder müsse seinen Teil abbekommen in einer funktionierenden Wirtschaft. Das seien nicht Werte der Demokraten oder Werte der Republikaner – das seinen ur-amerikanische Werte.

Damit gibt Obama den gerechten, den um Ausgleich bemühten Landesvater und trifft genau den richtigen Ton. Denn in den letzten Wochen und Monaten hat nicht zuletzt die Occupy-Bewegung eine lebhafte Debatte über die Kluft zwischen Arm und Reich angefeuert. Mit tiefgreifenden Folgen auch für den innerparteilichen Wahlkampf der Republikaner.

Denn plötzlich sind es nicht mehr klassische Rechts-Links-Diskussionen zwischen Erzkonservativen und Liberalen. Mir scheint, jetzt geht es eher um Oben und Unten, um die wenigen Privilegierten und die vielen Chancenlosen. Amerika sucht seine Mitte. Obama hat das erkannt und wird es wohl zum zentralen Wahlkampfthema machen.

Auch die Unabhängigkeit von Energielieferungen aus politisch instabilen Teilen der Welt wird er zum Ziel erklären, eine Bildungsoffensive für amerikansiche Arbeitskräfte und Akademiker. Und unsere Korrespondenten in den USA haben den richtigen Riecher gehabt: Obama wird sich gleichzeitig diplomatisch und kämpferisch geben. Er sei bereit, mit jedem im Kongress zusammenzuarbeiten, werde aber künftig jedem Blockadeversuch energisch entgegentreten. Eine Kampfansage an seine erzkonservativen Widersacher….. Sieht so aus, als sei dem zuletzt eher getrieben wirkenden Obama wieder eine bemerkenswerte, eine vielleicht entscheidende Rede gelungen.

Obama auf allen Kanälen – Amerika im Fernsehfieber

von 24. Januar 2012 19:25 Uhr

Habe gerade mit unserer Studioleiterin in Washington telefoniert. Laut Hanni Hüsch sind wir natürlich nicht allein mit der Übertragung der Obama-Rede – ALLE US-Networks sind live dabei wenn der US-Präsident kurz nach 3 Uhr morgens deutscher Zeit vor dem Kongress spricht. Insofern eine Zwangsbeglückung des amerikanischen Fernsehpublikums und eine in der Summe garantiert bombige Einschaltquote!

Das Protokoll bei der State of the Union Address ist übrigens streng wie bei einem Staatsakt. Seit der ersten Rede zur Lage der Nation (George Washington im Jahre 1790) ist der Präsident  ohne Genehmigung des Kongresses nicht befugt, den Sitzungssaal zu betreten. Obama ist also heute Gast im Kapitol – ein Ehrengast. Der Zeremonienmeister des Parlamentes wird ihn feierlich ankündigen: “Mr Speaker, the President of the United States!” Ein wenig höfischen Pomp braucht offenbar auch das demokratische Amerika.

Ein Kabinettsmitglied wird übrigens fehlen bei Obamas Rede. Seit 9/11 gibt es einen sogenannten “designated survivor”, einen auserwählten Überlebenden. Also ein Regierungsmitglied, das dem Kapitol fernbleiben muss, um für den Fall eines Terroranschlags auf den Kongress die Regierungsfähigkeit der USA sicherzustellen.

Neben der politischen Elite des Landes werden auch Ehrengäste im Kapitol dabei sein. Das Weisse Haus darf traditionell US-Bürger nominieren, die u.U. die Rede des Präsidenten “illustrieren”. Darunter heute die Sekretärin des Millairdärs Warren Buffet (die irrwitzigerweise einen höheren Steuerprozentsatz zahlen muss als ihr steinreicher Chef), aber auch der Ehemann der im vergangenen Jahr angeschossenen Abgeordneten Gabby Giffords. Sie war gestern aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten und sitzt heute das letzte Mal im Kongress. Ihr Verabschiedung könnte auch für Barack Obama und seine Frau Michelle ein sehr emotionaler Moment werden.

 

Obamas Rede zur Lage der Nation – ein Strassenfeger?

von 24. Januar 2012 15:45 Uhr

Den Jahresbeginn habe ich in Washington verbracht. Und war überrascht, was für eine gnadenlose Schlammschlacht sich die US-Republikaner liefern. Schonungslos gehen sich die Kandidaten der Konservativen in den Primaries gegenseitig an die Gurgel im Kampf um die Nominierung für die Präsidentschaftswahlen. Heute steht allein der Mann im Rampenlicht, den sie im November aus dem Weissen Haus vertreiben wollen: Barack Obama.

Ich bin gespannt auf seine Rede zur Lage der Nation, die wir ab 2 Uhr 50 live im Ersten übertragen. Hier in der Hamburger Redaktion laufen schon Wetten darüber, wie der US-Präsident auftreten wird – als kluger und kühler Staatsmann oder als angriffslustiger Wahlkämpfer? Fest steht: es hängt sehr viel ab von diesem Auftritt im Kongress.

Die “Yes we can Euphorie” von 2008 habe ich immer noch vor Augen. Da wirkte der begnadete Redner Barack Obama auch auf uns Beobachter wie eine politische Lichtgestalt, Symbol eines neuen, eines anderen Amerika. Drei Jahre ist das erst her – politisch eine Ewigkeit. Viele sind inzwischen bitter enttäuscht vom einstigen Hoffnungsträger.

Kann Obama heute erneut begeistern, vermag er seine Anhänger zu mobilisieren? Oder werden ihn seine konservativen Gegner ausbuhen und verunsichern? Welche Rezepte hat der Präsident anzubieten für die kränkelnde Supermacht Amerika? Mit welchen Argumenten empfiehlt er sich für eine zweite Amtszeit?

Die Leiterin unseres ARD-Studios in Washington, Hanni Hüsch, ist überzeugt: diese Rede wird zur US prime time ein Strassenfeger! Wir sind live dabei und übertragen wie immer im 2-Kanal-Ton, also Obama im Original und in deutscher Simultanübersetzung. Stellen Sie sich einfach vor, sie würden früh aufstehen für einen packenden Boxkampf….. Ring frei für Obama!

Ungeschminkte Wahrheit

von 18. Januar 2012 21:51 Uhr

Wir haben ein Video produziert. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, denn wir machen das jeden Tag. Dieses Video war aber nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Es zeigte Caren Miosga bei der Vorbereitung der Sendung zehn Minuten vor Sendungsbeginn (und nicht während der Sendung, wie die Bild irrtümlich schrieb.) Das war nicht weiter bemerkenswert, denn Caren zeigte sich bei der Vorbereitung gewohnt lässig, professionell und sehr sympathisch. So ist sie auch, deswegen hat mich diese ungeschminkte Wahrheit auch nicht weiter gestört, obwohl das natürlich nicht beabsichtigt war. Zum Hergang: Die Kollegen zeichnen immer etwas früher auf, um die Sendung dann punktgenau angeschnitten ins Netz zu stellen. Dieser Schnitt wurde übersehen, und so stand die Sendung mit dem Blick hinter die Kulissen von 23.42 bis 0.58 Uhr in Überlänge online. Schminktipps sind nicht unser Geschäft, aber wer zehn Minuten hinter die Kulissen schauen will, hier kommt der Clip noch einmal.

In den Tagesthemen zeigt Caren Miosga, was diese lustige Episode mit ernsthafter Netzpolitik zu tun hat. Wir berichten in tagesschau, tagesthemen und nachtmagazin über Freiheit im Netz. Die Abwägung zwischen Urheberrecht auf der einen und der Gefahr von Zensur auf der anderen Seite muss diskutiert werden. Die Wahl der Mittel ist entscheidend. Allzu häufig kämpft da die alte Welt gegen die neue, um Donald Rumsfeld gedanklich umzukehren. Wir müssen endlich verstehen, dass es nur eine Welt gibt. Wer wissen will, wie Schminktipps helfen können, diese Erkenntnis zu vermitteln, dem empfehle ich Caren Miosga heute Abend in den tagesthemen. Ob am Rechner, über die App oder um Viertel nach zehn auf dem Fernsehschirm, ist dabei völlig egal. Es kommt überall aufs Gleiche hinaus.

Das US-Video

von 12. Januar 2012 23:51 Uhr

Heute lief auf allen Kanälen das Video der US-Soldaten, die Leichen schänden. Dieser Filmschnipsel ist eklig. Vor allem aber wird er seine Wirkung in der islamistischen Szene nicht verfehlen und neuen Hass hervorrufen. Leider müssen wir das Ding auch noch in der Tagesschau zeigen. mehr

Tod eines Staatsanwalts

von 12. Januar 2012 0:45 Uhr

Nicht selten sind die Meldungen die umstrittensten, die überhaupt nicht in der Tagesschau vorkommen. Heute erschoss ein Mann im Gerichtssaal einen Staatsanwalt während der Verhandlung. Auf allen Kanälen, die ich über Tag beobachtet habe, war diese Tat in den Nachrichten. Nur in der Tagesschau nicht. mehr

Unfall, Gips und was ich über Indien lernte

von 11. Januar 2012 12:52 Uhr

Am liebsten wäre mir, es wäre nie passiert. Es war Sonntag, wir saßen in unserem Wagen und fuhren durch Rajasthan. Unterwegs für den Weltspiegel.
Dann war es wie im Film, wie es so oft beschrieben wird. Alles in Zeitlupe. Ein Auto stand quer, unser Fahrer bremste. Wir fuhren durch ein Gebüsch, runter von der Straße – direkt auf einen Strommast zu. Dann knallte es auch schon. Wir konnten fast alle aussteigen, nur unser Assistent Valson schrie. Wir holten ihn aus dem Wagen, doch einen Notarzt in der indischen Pampa. Das geht nicht.

Dafür viele Leute, Dorfbewohner, Kinder – kaum einer sprach Englisch. Aber da war ein Mann, der uns half. Mit seinem Auto brachten wir unseren Kollegen in das nächste Dorf. Schnell war klar, dass Schulter und Arm gebrochen sind. Dass wir ihm hier nicht helfen konnten. Wir riefen einen Doktor. Der kam auch, doch alles, was er in seinem Koffer hatte, war ein Blutdruckmessgerät. So blieb meinem Kollegen nichts anderes übrig als mit einer Art Krankenwagen nach Delhi zu fahren. 9 Stunden mit schweren Brüchen auf holprigen Straßen. Die beste von vielen schlechten Lösungen.

Ich selbst brauchte nun einen Arzt, hatte Schmerzen und wurde zu einer Art Kiosk geschickt. Im Hinterraum ein uraltes Röntgengerät. Das reichte, um festzustellen: die Hand ist gebrochen. Es gab einen Verband und vorn am Kiosk noch ein paar Tabletten. Danach ging es auch für mich nach Delhi.

Am nächsten Tag ins Krankenhaus. Moderner als in Deutschland. Die Notaufnahme bestand aus vielen Betten, durch Vorhänge getrennt. Vielleicht fünf Ärtze bestaunten meine Hand, bis der Orthopäde kam. Ein Gips, dann nochmal röntgen. Den bereitstehenden Rollstuhl lehnte ich ab. Was niemand verstehen konnte.

Danach war es aber nicht vorbei. Wieder ein neuer Mitarbeiter stellte sich vor. Er müsse jetzt meine Fingerabdrücke nehmen. Fingerabdrücke? Ja, für die Polizei. Nach einem Unfall sei das doch normal. Am Ende habe ich 3000 Rupien bezahlt, knapp 50 Euro. Ich bin erst seit wenigen Tagen Korrespondent in Indien, aber ich habe schon viel gelernt. Doch am liebsten wäre mir wirklich, es wäre nie passiert.

Valson, unser Kollege, wurde gestern operiert. Alles lief gut. Aber er wird lange brauchen, um sich zu erholen.

Wulff: Gut oder peinlich?

von 5. Januar 2012 13:16 Uhr


Wenn man die ersten Zeitungskommentare liest heute morgen und die Reaktionen im Netz, dann ist Christian Wulff der Befreiungsschlag nicht gelungen. Aber öffentliche Meinung bildet sich eben nicht nur durch Zeitungskommentare. Es könnte auch eine andere Entwicklung geben, nämlich den Mitleidseffekt. Nach aller Erfahrung nötigt es in Deutschland den Menschen viel Respekt ab, wenn jemand öffentlich um Verzeihung bittet, seine Fehler eingesteht und sich zerknirscht gibt.mehr

Wulff und die Sperrfrist

von 5. Januar 2012 0:13 Uhr

Dieser Tag hatte es in sich. Um 9.30 hatte Uli Deppendorf den ersten Hinweis gegeben, dass sich der Bundespräsident heute wohl öffentlich erklären will. Nach und nach konkretisierte sich später die Absicht Wulffs, ein gemeinsames Interview für ARD und ZDF zu geben. Doch bis dann die ersten Ausschnitte dieses Interviews gesendet bzw. online gestellt wurden, gab es ein aufreibendes Hin und Her um Sperrfristen und die Frage, wer wann wie viele Ausschnitte wo veröffentlichen darf. mehr

Anruf bei Kai

von 3. Januar 2012 22:51 Uhr

Die sechsminütige Wutrede von Christian Wulff auf der Mailbox des Bild-Chefredakteurs hat ja mittlerweile schon fast Kultcharakter, obwohl nur sehr wenige den exakten Inhalt kennen. In der Bevölkerung entsteht möglicherweise der Eindruck, dass man in mancher Redaktion  als Politiker Berichte bestellen oder abbestellen kann und mit entsprechenden Deals oder Drohungen gerne auch mal den Spin der Berichterstattung verändern kann. Gab es solche Anrufe wie bei Kai Diekmann vielleicht auch bei Kai Gniffke? mehr

Verwirrung: Soll Wulff nun bleiben oder gehen?

von 3. Januar 2012 15:58 Uhr

Wenn man sich heute durch die Online-Seiten klickt, scheint die Stimmung des Volkes eindeutig zu sein. In Votings auf verschiedenen großen Seiten sprechen sich klare Mehrheiten für den Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff aus. Während ich schreibe, sehe ich gerade, dass von 31.000 Beteiligten hier im Voting bei tagesschau.de 89 Prozent für den Rücktritt votiert haben. Können so viele Teilnehmer irren? Muss das nicht repräsentativ sein?mehr

Alles Gute für 2012

von 2. Januar 2012 23:40 Uhr

Heute gibt es viele gute Gründe nach langer Zeit mal wieder im Tagesschau-Blog einen Text zu schreiben. Zunächst einmal wünsche ich Ihnen, liebe User von tagesschau.de, für 2012 Glück und Gesundheit. Das ist erst mal das wichtigste. Zugleich blicke ich gespannt auf das neue Jahr, das für unsere Redaktion eine wichtige Wegmarke bedeutet und möchte Sie – wenn Sie Lust haben – daran teilhaben lassen. Und last not least war heute ein so interessanter Nachrichtentag, dass ich meine Freude am tagesschau-blog und am Schreiben wiederentdeckt habe. mehr

Kompromiss-Suche in Durban

von 11. Dezember 2011 2:24 Uhr

Die Kompromiss-Suche in letzter MinuteDer Streit war hart: die EU will in den Abschlusspapieren für die Klimakonferenz den Begriff “legal outcome” herausverhandeln. Sie will eine härtere Wortwahl die klar macht, dass es bei den dann startenden Verhandlungen bis 2015 zu einem rechtlich bindenden Vertrag kommen soll. Einem, der alle Staaten umfaßt. Indien besteht auf dem weichen Wort. Das Land will “keinen Blancoscheck” ausstellen, hat Angst am Ende selbst zu Klimaschutzmassnahmen gezwungen zu werden, obwohl in Indien pro Kopf nur ein Viertel der Emissionen entstehen wie in Deutschland. Die indische Delegierte Jayanth Natarajan hält eine emotionale Rede. Die Dokumente benachteiligten ihr Land ohnehin. Es hat ein hin und her mit Zustimmung für beide Seiten gegeben. Jetzt -2 Uhr Ortszeit- hat die südafrikanische Außenministerin Maite N’Koana Maschabane kurz unterbrochen und sich - umringt von Delegierten und Fotografen – mit Indien und der EU auf einen Kompromiß zu einigen. Er könnte “outcome of legal force” heißen. Diplomatie ist das Ringen um Worte.

Der längste Tag….

von 10. Dezember 2011 13:35 Uhr

Ich habe schon viele dieser Klimagipfel erlebt und erinnere mich an keinen, der so lang war wie dieser. Wir haben umgebucht. Es ist nichts entschieden, ehe es entschieden ist – und so weit sind die hier noch nicht. In Durban reisen die Delegierten ab. Ein steter Strom. Aber die Konferenz ist nicht zu Ende. Letztlich genügen einige wenige Delegierte, um hier einen Deckel drauf zu machen. Einer aus jedem Staat. Nur wenn ein wichtiges Land gar nicht mehr vertreten wäre, wird die Sache kritisch. Der Bildschirm mit der Tagesordnung ist leer. Ein Abschlussplenum wird dort nicht einmal mehr angekündigt. Es wird 18 Uhr bevor es losgehen kann, sagen die Auguren. Irgendwann werden wir Journalisten die stärkste Gruppe im riesigen Zentrum sein. Denn sowohl ein – wie auch immer gearteter – Kompromiss als auch ein Scheitern sind mehr als eine magere Nachricht wert. Ganz unpathetisch: hier steht schon eine Menge auf dem Spiel.

Klimagipfel in Verlängerung

von 10. Dezember 2011 5:01 Uhr

Das hat es meines Wissens noch nicht gegeben: der Klimagipfel hat in der letzten Nacht nicht durchverhandelt, sondern eine Pause gemacht. Jetzt soll möglicherweise noch der ganze Samstag drangehängt werden. Wir sitzen im Pressezentrum – ansonsten ist tote Hose – und versuchen zu verstehen: die kleine Gruppe der 28 Minister in der sogenannten Indaba, haben in der Nacht über einem neuen Kompromißpapier der Südafrikaner gesessen. Dieses Papier verstehen wir so: bis 2015 sollen Verhandlungen über einen neuen Klimaschutzvereinbarung abgeschlossen werden. Mit allen Staaten. Auch den Schwellenländern und den USA. Zweifelhaft ist für uns noch der Charakter dieser Vereinbarung und ihre Verbindlichkeit.  Und: ob das denn konsensfähig ist. Da gibt es unterschiedliche Signale. Unser ganz persönliches Problem: wir haben zwar Flüge am Nachmittag – das war nach aller Erfahrung von früheren Gipfel ein ausreichender “Sicherheitsabstand” – aber jetzt wird das knapp. Wir suchen Lösungen.

Welches Spiel spielt China?

von 7. Dezember 2011 22:11 Uhr

China hält die Klimakonferenz in Durban in Atem. Was treibt die Chinesen, was treiben die Chinesen? Xie Xenhua ist ein mächtiger Mann dort und er vertritt sein Land hier. Der Mann tut sicherlich nichts Unüberlegtes. Was also steckt dahinter, wenn er am Sonntag durchblicken läßt, dass China bereit sein könnte, beim Klimaschutz neue Wege zu gehen. Und wenn er dann wieder den Rückzieher macht. Am Mittwoch dann in seiner Rede vor der Vollversammlung den Altkader gibt, mit einem Statement, das keinerlei Bewegung erkennen läßt? Mehr Fragen als sonst was. Und dann sind da die Gerüchte: er wird sich nochmals wenden während dieser Konferenz. Ich verstehe nichts von chinesischer Politik. Aber natürlich hat die Sache eine weltpolitische Dimension: schon jetzt ruhen die Hoffnungen in Durban auf China, das Land steht im Mittelpunt. von den USA erwartet niemand etwas beim Klimaschutz. Bislang waren die Chinesen – an der Seite der Amerikaner – streng gegen irgendwelche vertraglichen Bindungen unter dem Dach der UN und zeigten sich voll zufrieden mit den frewilligen Ankündigungen, die sie in Kopenhagen mit den USA ausgehandelt und in Cancun festgeklopft haben. Wenn China tatsächlich nicht nur Bewegung andeutet, sondern sich bewegt, dann entsteht da ein neues Kräfteverhältnis. Dann ist das eine Annäherung an Europa und eine Isolation der USA.  Wollen die Chinesen das hier einleiten? Oder schrecken sie davor zurück? Das ist die spannende Frage.

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