Am liebsten wäre mir, es wäre nie passiert. Es war Sonntag, wir saßen in unserem Wagen und fuhren durch Rajasthan. Unterwegs für den Weltspiegel.
Dann war es wie im Film, wie es so oft beschrieben wird. Alles in Zeitlupe. Ein Auto stand quer, unser Fahrer bremste. Wir fuhren durch ein Gebüsch, runter von der Straße – direkt auf einen Strommast zu. Dann knallte es auch schon. Wir konnten fast alle aussteigen, nur unser Assistent Valson schrie. Wir holten ihn aus dem Wagen, doch einen Notarzt in der indischen Pampa. Das geht nicht.
Dafür viele Leute, Dorfbewohner, Kinder – kaum einer sprach Englisch. Aber da war ein Mann, der uns half. Mit seinem Auto brachten wir unseren Kollegen in das nächste Dorf. Schnell war klar, dass Schulter und Arm gebrochen sind. Dass wir ihm hier nicht helfen konnten. Wir riefen einen Doktor. Der kam auch, doch alles, was er in seinem Koffer hatte, war ein Blutdruckmessgerät. So blieb meinem Kollegen nichts anderes übrig als mit einer Art Krankenwagen nach Delhi zu fahren. 9 Stunden mit schweren Brüchen auf holprigen Straßen. Die beste von vielen schlechten Lösungen.
Ich selbst brauchte nun einen Arzt, hatte Schmerzen und wurde zu einer Art Kiosk geschickt. Im Hinterraum ein uraltes Röntgengerät. Das reichte, um festzustellen: die Hand ist gebrochen. Es gab einen Verband und vorn am Kiosk noch ein paar Tabletten. Danach ging es auch für mich nach Delhi.
Am nächsten Tag ins Krankenhaus. Moderner als in Deutschland. Die Notaufnahme bestand aus vielen Betten, durch Vorhänge getrennt. Vielleicht fünf Ärtze bestaunten meine Hand, bis der Orthopäde kam. Ein Gips, dann nochmal röntgen. Den bereitstehenden Rollstuhl lehnte ich ab. Was niemand verstehen konnte.
Danach war es aber nicht vorbei. Wieder ein neuer Mitarbeiter stellte sich vor. Er müsse jetzt meine Fingerabdrücke nehmen. Fingerabdrücke? Ja, für die Polizei. Nach einem Unfall sei das doch normal. Am Ende habe ich 3000 Rupien bezahlt, knapp 50 Euro. Ich bin erst seit wenigen Tagen Korrespondent in Indien, aber ich habe schon viel gelernt. Doch am liebsten wäre mir wirklich, es wäre nie passiert.
Valson, unser Kollege, wurde gestern operiert. Alles lief gut. Aber er wird lange brauchen, um sich zu erholen.